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Mit Handtuch und Seife gegen die Keime

Köln (dpa/tmn) - Nach der Toilette - klar! Vor dem Kochen - logisch! Aber sonst? Was das Händewaschen betrifft, hat fast jeder seine eigenen Regeln. Manche sind strenger, manche weniger. Und einige fragen sich: Ist das wirklich so wichtig? Experten haben darauf eine klare Antwort: Ja, absolut.

«Wir leben nicht in einer keimfreien Welt», sagt Prof. Volkhard Kempf, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Frankfurt. «Unsere Hände kommen täglich mit einer Vielzahl von Erregern in Kontakt, die beispielsweise Grippe, Magen-Darm-Infektionen oder Atemwegs-Infektionen verursachen können.»

Wie gelangen die Erreger in den Körper?

Doch wie gelangen die Erreger von den Händen in unseren Körper? «Sie werden über eine Kette von Berührungen weitergereicht», erklärt Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). «Wenn zum Beispiel ein Grippe-Patient in die Hand niest, haften die Viren im Anschluss an der Handfläche. Gibt der Erkrankte einem anderen Menschen die Hand, können die Viren weiterwandern.»

Führt dieser Mensch danach die Hand zu Mund, Nase oder Augen, kann er sich über die Schleimhäute anstecken. Und der Handkontakt ist nicht der einzige Weg zur Infektion: Die Erreger können auch auf Haltegriffen in der U-Bahn, auf Touchscreens oder an Türklinken lauern.

Müsste man sich dann nicht eigentlich permanent Hände waschen? «Nein», sagt Kempf. «Das ist alltagsfern und auch nicht nötig.» Dennoch gibt es viele Situationen im Alltag, bei denen Händewaschen ein Muss sein sollte. «Nach dem Toilettengang auf jeden Fall», so Kempf. «Auch vor dem Kochen und vor dem Essen sollten die Hände sauber sein.»

Beliebte Aufenthaltsorte für Krankheitserreger seien außerdem Fitnessstudios. «Nach dem Training sollte man sich auf jeden Fall die Hände gründlich waschen», rät Kempf. Heidrun Thaiss ergänzt: «Das Gleiche gilt, wenn wir vom Stadtbummel nach Hause kommen, Windeln wechseln oder Kontakt mit Tieren, Abfällen und Tierfutter hatten.»

Richtiges Händewaschen

Wasserhahn an und Hände kurz unter den Strahl halten reicht allerdings nicht aus. Heidrun Thaiss: «Viele Menschen waschen sich ihre Hände nicht lang genug und trocknen sie nicht ab.» Das sei problematisch, denn in einer feuchten Umgebung können sich Mikroorganismen besser halten und vermehren. Ihr Tipp: Die Hände nach dem Waschen zügig abtrocknen. Durch die Reibung mit dem Handtuch würden zusätzlich Keime entfernt, die noch an den Händen haften.

Kempf rät außerdem, Seife zu benutzen: «Sie löst Fettstoffe von der Haut, in denen die Keime anhaften.» Doch wer die Hände regelmäßig mit Seife wäscht, handelt sich dadurch vielleicht ein neues Problem ein: trockene, juckende oder schuppende Haut. «Wasser und Seife greifen die natürliche Hautbarriere an», erklärt Prof. Philipp Babilas, Dermatologe im Hautzentrum Regensburg.

Um das zu verhindern, sollte man sich mit einer PH-neutralen Flüssigseife die Hände waschen. Für besonders empfindliche Haut gebe es spezielle Seifen mit rückfettenden Substanzen. «Leiden Patienten unter starken Hautproblemen aufgrund von Wasser und Seife, empfehle ich in Einzelfällen auch ein rückfettendes Desinfektionsmittel aus der Apotheke, das sich wie ein leichter Fettfilm auf die Haut legt», sagt Babilas. «Ein solches Desinfektionsmittel ist für die Haut verträglicher als wiederholtes Händewaschen.»

Der alltägliche Gebrauch eines Desinfektionsmittels ist aber generell nicht notwendig, sagt Heidrun Thaiss. «Sinnvoll ist es nur, wenn beispielsweise Familienmitglieder an Infektionen mit Bakterien wie Salmonellen erkranken, mit multiresistenten Erregern besiedelt sind oder an hochansteckenden Erkrankungen wie dem Norovirus leiden.»

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Text: dpa / Bild: Andrea Warnecke (dpa) (05.06.2019)